Bemerkenswert

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

 

 

Der Fluch von Hiroshima, Nagasaki, Fukushima und strahlende Olympische Spiele 2020

Olympia-Boss unter dringendem Verdacht

Tsunekazu Takeda, Chef des japanischen Olympischen Komitees und Kopf der Bewerbung, unter Korruptionsverdacht

Dr. Benno Dalhoff

Wer das Prozedere um die Vergabe großer Sport-Events verfolgt, stolpert unweigerlich von einem Korruptions-Skandal in den nächsten. Die Leid-Tragenden sind immer wieder diejenigen, die für solche Events aus ihrem seit Generationen angestammten Wohnumfeld regelrecht vertrieben werden. Sie müssen sich der global vernetzten Event-Mafia beugen und oftmals in Ersatzquartieren zusammengepfercht verkümmern. Die mit Unsummen errichteten Sportstätten fristen nach dem Ende solcher Mega-Events oftmals ein trauriges Dasein und verfallen letztlich. Hier werden – wie auch in der Atomindustrie – die Gewinne privatisiert und die nicht absehbaren Folgekosten sozialisiert. Zahlreiche Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften belegen dieses unbarmherzige und Menschen verachtende Vorgehen.

Und so wundert es nicht, dass auch bei der Vergabe der Sommerspiele 2020 in Tokio Bestechungsgelder in Millionenhöhe geflossen sind. Hinzu kommt aber, dass in dieser Tragödie die radioaktive Verseuchung großer Teile Japans eine entscheidende Rolle spielt. Auf Grund der Reaktorkatastrophe von Fukushima Daiichi hätte es ohne Korruption mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Zuschlag für die Olympischen Spiele gegeben, da Gesundheitsschäden von SportlerInnen und ZuschauerInnen durch Kontamination nicht ausgeschlossen werden können.

Und wie üblich hüllt sich der IOC-Präsident in Schweigen!

Daher ist die einzig richtige Konsequenz: Boykott der Sommerspiele 2020 in Tokio!!!

***

Die radioaktive Verstrahlung hinterlässt ein ungeheures Trauma für eine ganze Nation und wirft enorme Schatten der Bedrohung voraus.

Festnahme am 73. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima

Am 73. Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, dem Hunderttausende von unschuldigen Zivilisten zum Opfer fielen, brachten Friedensdemonstranten zum Ausdruck, dass sowohl die Überlebenden der Atombombenanschläge von Hiroshima und Nagasaki als auch die Evakuierten von Fukushima Opfer einer nuklearen Katastrophe und der fortgesetzten atomaren Strahlung sind und auch noch auf lange Zeit sein werden. (s. Assemblage ‘Das Kreuz von Fukushima oder Nippom, das Land der aufgehenden Sonne‘ in den Ausstellungen im Schiefen Turm in Soest 2016, in St. Trinitatis in Wolfenbüttel 2017 und in Neu-St. Thomä in Soest 2018)

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Ausstellung in der St. Trinitatiskirche in Wolfenbüttel März/April 2017

Weiter zu „Der Fluch von Hiroshima, Nagasaki, Fukushima und strahlenden Olympische Spiele 2020“ hier:

Hiroshima, Fukushima und strahlende Olympische Spiele 2020

 

Scheich, Hitze, Verkehrschaos und Boxer

600 Tage vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio hat das IOC diverse Probleme

Wer geglaubt hatte, dass IOC-Präsident Thomas Bach bei der Sitzung der Dachorganisation der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) in Tokio mit den angesprochenen Problemen die Folgen des Super-GAUs von Fukushima gemeint hat, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Es waren nämlich im Vergleich zu den Bedrohungen infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima lediglich banale Probleme, die bei der Sitzung auf der Tagesordnung standen…

Der ganze Artikel zu  „Scheich, Hitze, Verkehrschaos und Boxer“ hier:

600 Tage vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio

 

 

 

 

 

Ausstellungs-Abschluss

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Der Chor Nadeshda eröffnete musikalisch die Podiumsdiskussion „Entdeckung und Wirkung der Radioaktivität“ am 28.4.2017 in der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel mit Liedern aus Belarus, Ukraine u.a.

Es war die Abschlussveranstaltung der Ausstellungen „Das Kreuz von Fukushima“, „das Kreuz von Asse und Konrad“ und „Entdeckung der Radioaktivität“.

Einleitung durch Sozialdiakon i.R. Paul Koch:
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Im Namen der Trinitaiskirche und Pastor Stefan Lauer und auch im Namen des ökumenischen Trägerkreises „Europäische Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ in der Region Braunschweig, ein herzliches Willkommen zur Ausstellungs-Abschlussveranstaltung hier in der Trinitatiskirche Wolfenbüttel, verbunden mit dem Dank an die Kirchengemeinde für den Raum, die Kooperation und die gute Zusammenarbeit. Der Dank geht auch an die EEB als Kooperationspartner für diese, und andere Veranstaltungen.

Vielen Dank an die Aussteller und vielen Dank an die Unterstützung durch Roll-ups und Prospekte von AufpASSEn e.V. ; AG-Schacht Konrad e.V. und dem Bundesamt für Strahlenschutz.

Ein herzliches Willkommen auch der Presse, verbunden mit dem Dank für viele Vorankündigungen und Berichte im Rahmen der Ausstellung und des umfangreichen Rahmenprogramms.

Und natürlich ein großer Dank an die die Teilnehmer an der heutigen Abschlussveranstaltung und ein herzliches Willkommen, dem Chor Nadeshda, den Tschernobyl-Zeitzeugen Klaudzija und Adam Varanets mit der Dolmetscherin Svetlana Margolina, den Teilnehmern der Podiumsdiskussion: Dr. Rainer Gellermann, Rudolf Fricke, Dr. Winfrid Eisenberg, Dr. Benno Dalhoff; Jürgen Menge, und Moderator: Michael Fuder.  Nicht, dass es bei diesem Thema nur Fachmänner gäbe, aber die Wissenschaftlerin, die für das Eingangsreferat angefragt wurde, hat leider abgesagt. Auch der Versuch einen Nuklearmediziner-IN für diese Veranstaltung zu finden, scheiterte …

Mit dem Thema Entdeckung und Wirkung der Radioaktivität sollen noch einmal die Themen der Ausstellung zusammengefasst werden. Ich sprach bei der Ausstellungseröffnung von einem Spagat, Tschernobyl und Fukushima im gleichen Atemzug mit Asse und Konrad zu nennen. Vielleicht hat bei diesem Thema die 3. Ausstellung „Entdeckung der Radioaktivität“ durch die historischen Aspekte eine vermittelnde, eine ausgleichende Rolle gespielt. Jedenfalls ist es auch im Nachhinein eine guttuende Ausweitung des schwierigen Themas „Radioaktivität“.

Bei der Vorstellung dieses 3. Ausstellungsteils hatte Herr Fricke sich bei der Eröffnung als Radioaktivitäts-Fan geoutet. Ich oute mich an dieser Stelle als Anti-AKW-Fan. Ich habe gelernt, auf die Formulierung zu achten. Ich bin kein Gegner der Atomenergie, sondern ein Gegner der derzeitigen Art von Atomkraftwerken, denn die Sonne speist ihre Strahlkraft aus einer ungeheuren Atomenergie-Kraftquelle und in Afrika existiert ein riesiger Natur-Atomreaktor. Wir sind umgeben von unterschiedlicher, natürlicher Strahlung. Die Frage ist aber auch bei der natürlichen Strahlung: Wo ist der Übergang von der lebensnotwendigen zur lebensbedrohlichen Strahlung? Die gleiche Frage gilt selbstverständlich auch für die zusätzliche, für die technische Strahlung. Hier sind wir noch lange nicht am Ende der Forschungsarbeit. Fest steht, dass das Leben    – unser höchstes Gut- im Mittelpunkt steht, und dass wir alles lebensbedrohliche versuchen auszuschließen oder zu zumindest versuchen das Lebensbedrohliche zu  minimieren. Konsequenter Weise lautete das Thema des letzten Konrad- Gottesdienstes: „Wählt das Leben!“.  Morgen beginnt die ökumenische, bundesweite Aktion „Woche für das Leben“. Es geht dabei um Kinderwunsch und Wunschkind – es geht um zukünftiges Leben. Es geht um zukünftiges Leben, dem bereits im Mutterleib all unsere Aufmerksamkeit gilt und von allem Lebensbedrohlichem geschützt wird. Unter dem Motto „WEIL LEBEN SCHÖN IST“ zeigen derzeit am Straßenrand der Autobahn großformatige, emotionale Momentaufnahmen, etwa Bilder von einem lachenden Baby oder von glücklichen Freunden und Partnern, was Verkehrsteilnehmer durch überhöhte Geschwindigkeit verlieren können. Weil Leben schön ist – runter vom Gas; Weil Leben schön ist – achte auf Deine Gesundheit!

Leben, Lebenserwartung, Lebensqualität, Gesundheit, das gehört alles zusammen und das staatliche Gesundheitswesen spielt dabei eine große Rolle. Mit unseren Gesundheit-Standards und den unterschiedlichen Aspekten dazu können wir hier in Deutschland zufrieden sein…   …wir können zufrieden sein mit unserem Gesundheits-System … bis auf das Thema  „Strahlung“,  „ionisierende Strahlung“, „Radioaktivität“.  Mir ist schleierhaft, wie wir es zulassen können, das im Gesundheitswesen mit zweierlei Maß gemessen wird. Auf der einen Seite tun wir alles für unsere Gesundheit und für ein lebenswertes Leben…  …für uns, für unsere Kinder und Enkelkinder.  Auf der anderen Seite nehmen wir durch die Nutzung der Kernenergie ein Restrisiko in Kauf, das weder den Namen Rest noch Risiko verdient.

Proteste und Aktionen den Vertrag der WHO und IEAO zur Verharmlosung der Nutzung der Atomenergie für friedliche und kriegerische Zwecke durch die Europaabgeordnete Rebekka Harms, dem IPPNW  u.a.  waren bislang erfolglos. An dieser Stelle muss politisch, außerparlamentarisch –wie auch immer – alles getan werden um diesen Vertrag auszusetzen. Gleichzeitig muss weiter zur Radioaktivität geforscht werden. Bei der Forschung zur Radioaktivität wurden in der Vergangenheit ….  (belarussische,ukrainische aber auch deutsche Wissenschaftler können ein Lied davon singen)  … es wurden in der Vergangenheit so manche Forschungsarbeiten zurückgehalten, ignoriert oder im Nachhinein schön geredet oder gar manipuliert.

Es kann und darf nicht sein, dass Informationen zurückgehalten werden mit der Argumentation: Ein Teil meiner Antworten würde Sie beunruhigen…

Es kann und darf nicht sein, das Fakten manipuliert werden „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“.

Und es kann und darf nicht sein, das Projekte gegen alle Vernunft durchgepeitscht werden, nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut“.

Somit ist eine ernsthafte, verantwortungsvolle und transparente Forschungsarbeit anzumahnen. Der demokratisch orientierte mündige Bürger muss sachlich und fachlich informiert werden, er muss Zugang zu allen Forschungsergebnissen haben. Es kann und darf nicht angehen, dass wir über die Hintertür von mündigen Bürgern zu entmündigten Bürgern werden, weil die Bürgerschaft, das „Fußvolk“, angeblich die Fakten falsch verstehen könnte.

Es kann und darf nicht angehen, dass Bürgerinitiativen in Sonntagsreden mit „Unverzichtbar“ bezeichnet werden und sonst eher als Nestbeschmutzer angesehen werden.

Robert Jungk hat seinem Buch „Der Atomstaat“ den Untertitel gegeben „Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit“.  Den Fortschritt in die Unmenschlichkeit gilt es zu verhindern, weil es allem wiederspricht, was wir bisher als christliches oder humanistisches Menschbild für gut befunden haben.

In diesem Sinne erhoffe ich mir von heute Abend offene und ehrliche Argumente und Informationen.

Heute, 31 Jahre nach Tschernobyl und 6 Jahre nach Fukushima denken wir an die Opfer der beiden Nuklear-Katastrophen. Wir denken an die Todesopfer und wir denken an die Menschen die ihre Gesundheit für immer geopfert haben. Nur 20 % der belarussischen Kinder können als „Gesund“ bezeichnet werden. So ist es mit unserem Gedenken an diese Opfer gut, wenn Betroffene authentisch berichten können. Ich freue mich, dass nun unsere Tschernobyl-Zeitzeugen (mit denen ich diese Woche in Schulen und bei anderen Veranstaltungen der Europäischen Aktionswochen unterwegs war) Klaudzija und Adam Varanets Ihre Eindrücke zur Ausstellung schildern.

Statement von Klaudzija und Adam Varanets:
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Dolmetscherin Svetlana Margolina übersetze den emotionalen Beitrag von Klaudzija und Adam Varanets. Klaudzija begann damit, dass sie die Fotos der Kinder in belarussischen Krankenhäusern sehr berührte und sie an ihre eigenen Kinder und Enkelkinder erinnerte. Sie berichtete dass es zum Zeitpunkt der Tschernobyl-Katastrophe in ganz Belarus nur ein onkologisches Krankanhaus gab. Inzwischen gibt es in jedem Region ein bis zwei onkologische Krankenhäuser.

Eingangsreferat von Dr. Rainer Gellermann
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Dr. Rainer Gellermann, Physiker. Beruflich im Strahlenschutz tätig.  Arbeitsgebiete Radioökologie und Umweltradioaktivität. Bürgerliches Engagement im Umfeld der Asse seit 2011.  Vorab-Kernsätze zur Podiumsdiskussion:

Der Strahlung kann man nicht ausweichen.  Wenn man ihr begegnet, sollte man aber beide Augen offen halten.

Eingangsreferat Dr. Rainer Gellermann: Gellermann_170428_WF mit Bildern

Rudolf Fricke, Lehrer i. R. / Historiker
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Vorab-Kernsätze zur Podiumsdiskussion:

Forschungen zum Naturphänomen Radioaktivität und in der Folge damit beispielsweise möglich gewordene Erkenntniszuwächse zu Strukturen der Materie oder technische, medizinische Nutzungen sind bis in die 1960er-Jahre von Euphorie getragen gewesen. Diese hat sich dann nicht etwa relativiert, sondern ist in eine regelrechte Radiophobie umgeschlagen. In dieser Umstimmung sind Trennschärfen bei der Betrachtung von Strahlenexpositionen und Risiken durch natürliche terrestrische und extraterrestrische Strahlung, durch Atomwaffenversuche, Kraftwerksunfälle, Radionuklide verarbeitende Betriebe und so weiter verloren gegangen. Man gewinnt aus Mahn- und Informations-veranstaltungen gelegentlich den Eindruck, als sei die ionisierende Strahlung der Radioaktivität die Bedrohung für die Menschheit schlechthin. Bei dieser Stimmungslage wird es nicht möglich sein, Lösungsbemühungen für Problemfälle zu einem breit akzeptierten Konsens zu führen.

Beitrag von Dr. Eisenberg
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Dr. Winfried Eisenberg, Kinderarzt i.R. (IPPNW). 

Vorab-Kernsätze zur Podiumsdiskussion:

Je jünger ein Kind ist, desto schneller wächst es. Der Embryo, das Kind in den ersten Schwangerschaftswochen, wächst am schnellsten. Wachsen geschieht durch hohe Zellteilungsfrequenz. Zellen in den Teilungsphasen sind durch ionisierende Strahlen und Gifte jeder Art viel stärker gefährdet als ruhende Zellen. Das ist der Hauptgrund für die besondere Strahlensensibilität der Kinder. Für  Embryos bedeutet schon eine minimale Strahlen-belastung ein großes Risiko.

Statement Dr. Winfrid Eisenberg:  Strahlensensibilität der Kinder – Eisenberg

Dr. Benno Dalhoff, Lehrer i.R.
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Vorab-Kernsätze zur Podiumsdiskussion:

Der Strich der Natur ist zerbrochen! Die Natur hat auf Grund der Erbinformation für jedes Lebewesen ein klar und eindeutig vorgegebenes Programm, das einen Organismus mit all seinen Charakteristika bestimmt. Es ist, als würde die Natur wie ein Künstler ein Lebewesen mit klarem Strich zeichnen. Treten allerdings Unregelmäßigkeiten im genetischen Programm auf, so kann der klare Strich der Natur außer Kontrolle geraten oder aber völlig zerbrechen mit z.T. fürchterlichen Konsequenzen für den betroffenen Organismus. Und genau diese Situation versuche ich in meinen Arbeiten darzustellen; denn als Naturschützer habe ich immer wieder feststellen müssen, dass alleinige Information in den Medien nur eine geringe Halbwertszeit besitzt, und man schnell wieder zur Tagesordnung übergeht. In meinen Bildern und Objekten richte ich daher den Fokus bewusst auf scheinbar unbedeutende Details, wie z.B. die strahlungsbedingte Veränderung (Mutation) eines Eichenblattes oder eines Schmetterlingsflügels. Damit soll zum Ausdruck kommen, dass diese Veränderungen stellvertretend für die Zerbrechlichkeit allen Lebens auf der Erde stehen, und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit unseres Planeten für uns und für kommende Generationen eine Überlebensaufgabe ist.

  Jürgen Menge, Lehrer i.R.
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 Vorab-Kernsätze zur Podiumsdiskussion:

Meine Erfahrung mit Tschernobyl: „Durch die Katastrophe von Tschernobyl ist meine Verantwortung für unsere Umwelt und die Zukunft meiner Kinder gewachsen. Jeder von uns sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten diese Verantwortung wahrnehmen.  Viele kleine Veränderungen können Großes bewirken.“    

Moderator:  Michael Fuder
Portrait Michael Fuder  

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Ausstellungseröffnung

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Begrüßung.   Pastor Stefan Lauer, Gemeindepfarrer der Trinitatiskirche Wolfenbüttel

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Einführung ins Thema. Sozialdiakon i.R., Organisator der Ausstellung / Euriopäische Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima.

Auch von mir, bzw. vom ökumenischen Trägerkreis der Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima der Region Braunschweig, ein herzliches Willkommen zur Ausstellungseröffnung hier in der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel. *  Ende Januar wurde die Öffentlichkeit mit spärlichen Meldungen über eine radioaktive Wolke informiert. Sie enthalte Jod 131 in geringer Konzentration und verteile sich über ganz Europa, wie Strahlenmessungen in Finnland, dann in Frankreich,Spanien und schließlich auchin Deutschland gezeigt hätten. Die Messung ist Fakt – die Herkunft ungewiss. Man munkelt über eine Beinahe-Katastrophe in einem Norweger AKW. Vielleicht erfährt man irgendwann genaueres…

Zunächst aber, aktuelle Kurznachrichten aus Fukushima:

Die Ärzte gegen Atomkrieg (IPPNW) berichten in ihrem aktuellen Newsletter was auch Ruiko Muto, die Sprecherin der Klägergruppe gegen TEPCO und Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fukushima bestätigt: „Die Behörden üben zunehmend Druck auf die knapp 100.000 Menschen aus, die ihre Heimat aufgrund der radioaktiven Kontamination verlassen mussten und bis heute als Strahlenflüchtlinge übers Land verstreut sind. Sie sollen möglichst bald in die verwaisten Ortschaften in Fukushima zurückkehren, auch wenn dort die Strahlenwerte weiterhin so hoch sind, dass man dort nicht ohne gesundheitliche Gefährdung leben kann. Da die Zahl der Rückkehrer anhaltend niedrig ist, sollen den Strahlenflüchtlingen nun die staatlichen Subventionen gekürzt werden.“

Aktuelle Nachrichten aus Tschernobyl:

Kurz gesagt, der spröde Sarkophag von 1986 hat ein neues Dach bekommen. Umständlich und aufwendig wurde ein neuer Sarkophag gebaut. Weil eine direkte Ummantelung die Arbeiter zu großen Strahlengefahren ausgesetzt hätten, wurde das Dach neben dem alten Sarkophag zusammengebaut und auf riesen Rollen und riesiger Hydraulik über den alten Sarkophag geschoben. Die Frankfurter Allgemeine berichtete mit der Überschrift „Hochbetrieb im Sperrgebiet“ zum letztjährigen 30 Jahrestag ausführlich über den neuen, zweiten Sarkophag. Direktor Seida, vom Tschernobyl-Kraftwerk in der Ukraine sagte den Journalisten mit Blick in die Zukunft: „Die gesamte Demontage des Tschernobyl-Kraftwerkes wird 2064 abgeschlossen sein und damit wird in absehbarer Zeit das Kraftwerksgebiet leergeräumt sein.“ Seine Feststellung überrascht die Journalisten, aber er prognostiziert auch: „Am Ende wird es keine grüne Wiese geben,sondern einen braunen Fleck.“ Damit sind wir nicht weit entfernt von der Aussage von Dr. Benno Dalhoff, wenn er sagt: „Der Strich der Natur ist zerbrochen“.  *  Als ich bei der Auswertung der Europäischen Aktionswochen 2016 in Dortmund von der Ausstellung „Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima“ hörte, war ich sehr beeindruckt. Beeindruckt von der Idee und Ausführung der Ausstellung von Dr. Benno Dalhoff. Es war natürlich sofort die Überlegung da, ob wir diese Ausstellung auch in die Region Braunschweig bekommen können. Die Anfrage bei Dr. Benno Dalhoff aus Soest war erfreulich positiv – dafür herzlichen Dank!  Nun ging es darum einen Ort zu finden, wo man diese Ausstellung zeigen kann und wo sie über einen relativ langen Zeitraum – nämlich vom Fukushima-Jahrestag bis zum Tschernobyl-Jahrestag, also 11. März bis 26. April. stehen  konnte. Die erste Adresse, vor allem auch bei diesem Thema, ist eine Kirche und ist im Besonderen die Trinitatiskirche in Wolfenbüttel. Dass dies dann auch beim ersten Anlauf geklappt hat, dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei Pfarrer Stefan Lauer und der Kirchengemeinde St. Trinitatis. Das sich aus dem reinen Veranstaltungsort auch noch eine Kooperation ergab, dafür ein weiterer herzlicher Dank! Ein Dank auch an die Küsterin für die großartige Unterstützung.  * Warum eine Ausstellung zu Tschernobyl nach über 30 Jahren?  Warum? Weil die Zeit nicht alle Wunden heilt… …und weil die Zeit bei manchen Halbwertzeiten zur Ewigkeit wird. Abgesehen von den Wunden der direkt Betroffenen, gibt es auch Wunden bei den indirekt Betroffenen. Ich persönlich empfinde es als Schlag ins Gesicht derer, die sich jahrelang den Tschernobyl-Opfern widmeten, die sie in Krankenhäuser besuchten und mit Ärzten gesprochen haben, wenn Hans Blix in seiner Funktion als Direktor der IAEO im Jahr 1986 verkündet: „Die Atomindustrie kann jedes Jahreine Katastrophe wie Tschernobyl verkraften.“ Es ist ein weiterer Schlag, der psychische Wunden verursacht, wenn dieselbe „Internationale Atomenergie-Organisation“ (IAEO) durch einen Vertrag mit der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) im Jahr 1959 (bis heute) sich das Recht festschreibt, dass die WHO keine gesundheitlichen Expertisen oder Studien im Zusammenhang mit Radioaktivität veröffentlichen darf, die nicht vorher von der IAEO genehmigt wurden. Nicht die WHO sondern die IAEO legt Grenzwerte fest und empfiehlt der jap. Regierung doch einfach den internationalen Grenzwert um das 20fache zu erhöhen, denn die Japaner waren schon immer widerstandsfähiger als der Rest der Welt. Wenn man weiß, dass es das Hauptziel der IAEO ist, die Atomenergie zu fördern, hindert der Vertrag von 1959 die WHO daran, die Bevölkerung ausreichend vor den gesundheitlichen Risiken der Atomenergie zu schützen. –  So die Ärztevereinigung IPPNW. Die Verharmlosung der Folgen von Tschernobyl und auch von der Fukushima-Katastrophe sind dann zwangsläufig.  *  In einer Zeit nach Tschernobyl und Fukushima ist es schwer, angesichts der neuen Risiken sich für die „Bewahrung der Schöpfung“ einzusetzen und gleichzeitig ist es wichtiger denn je!   *   Es liegt also nahe, sich im Sinne von „Bewahrung der Schöpfung“ für eine Bewahrung unserer lebenswerten Region einzusetzen und nicht nur das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima in den Focus zu nehmen, sondern auch unsere regionalen Problemfelder wie Asse II und Schacht Konrad. Gleichwohl ist es ein Spagat, Tschernobyl und Fukushima in einem Atemzug mit Asse II und Schacht Konrad zu nennen. Aber, es geht um denselben Stoff. Es geht in beiden Fällen um den Umgang mit Radioaktivität. Es geht im Falle von Tschernobyl und Fukushima um ganz schlimme Unfälle bei der Produktion von Kernenergie. Es geht um die größten anzunehmenden Unfälle (GAU), und sie werden als Super – Unfälle bezeichnet.   *   Bei Asse II und Schacht Konrad geht es auch um die Folgen der Produktion von Kernenergie und zwar um den zwangsläufig anfallenden Müll. Es geht um atomaren Müll, dessen Entsorgung nicht geklärt war als die Produktion genehmigt wurde, weil man das Problem unterschätzte. Als die Probleme mit der Asse bekannt wurden, war hier vor Ort/ bzw. in den Ortschaften rund um die Schachtanlage Asse II die Verunsicherung sehr groß. Die Gespräche von Befürwortern und Gegner der Atomenergie waren hitzig. Ebenso die Gespräche der Menschen, die im Bergwerk arbeiteten und der Bevölkerung über Tage. Die Sorgen und Ängste der Bürger waren allgemeines Gesprächsthema, an dem zwangsläufig auch die Kirche beteiligt wurde. Mit den Asse-Andachten, den Andachten am Lutherbaum und den Konrad Gottesdiensten versucht die Kirche einen wichtigen, seelsorgerlichen Beitrag zu leisten. Das heißt, dass auch wir uns mit den Problemen auseinandersetzen, uns informieren ggfls. in die eine oder andere Richtung zu vermitteln versuchen, oder auch mal deutlich die eigenen Ängste um den Erhalt Gottes Schöpfung zu benennen. Bei den Andachten und Gottesdiensten werden punktuell, aber bewusst, sowohl die Bürgerinitiativen als auch das Bundesamt für Strahlenschutz mit einbezogen. So kommen auch hier in der Ausstellung zu den realen Kreuzen von Asse und Konrad und der Dokumentation der kirchlichen Arbeit eben auch die Bürgerinitiativen und das Bundesamt für Strahlenschutzmit unterschiedlich gearteten Informationsmaterial zu Wort. Dafür herzlichen Dank an alle Beteiligten.   *  Alle guten Dinge sind Drei – das gilt wohl auch bei Ausstellungen. Beim dritten Teil, ist das Kreuz nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Aber, auch hier geht es um Radioaktivität. Es geht um die Frage, wie hat das eigentlich alles mit der Radioaktivität angefangen? Die natürliche Radioaktivität war natürlich von Anfang an da, nur, man hat sie nicht als solche wahrgenommen, man hatte keine Erkenntnis, kein Verständnis, keine Ahnung von Radioaktivität, bis, ja bis Wolfenbütteler Wissenschaftler die Radioaktivität entdeckt und immer weiter erforscht haben.   *   Ob wohl die Herren Elster und Geitel geahnt haben, was sich aus ihrer  Forschung alles entwickelte? Leuchtende Uhrzeiger, medizinische Bäder, Röntgenbilder von Knochenbrüche oder anderes waren die ersten positiven Ergebnisse dieser Forschungsarbeit. Das wir heute nicht nur von natürlicher Radioaktivität, sondern auch von technischer Radioaktivität umgeben sind, ist Fakt!  Es muss weiter geforscht werden um herauszufinden ab wann natürliche und technische Strahlung  für unsere Gesundheit, und zwar der individuellen Gesundheit und nicht nur der Gesundheit eines „Standartmenschen“ schädlich sein kann. Der Blick von der Gegenwart in die Vergangenheit kann uns beim ehrlichen studieren der Materie, Hilfestellung für den zukünftigen, verantwortlichen Umgang mit der Radioaktivität geben. Deshalb bin ich Herrn Rudolf Fricke sehr dankbar für seine unermüdlichen historischen Recherchen und seinen interessanten und kurzweiligen Experimentiervorträgen und vor allem für sein Angebot, sich mit einer dritten Ausstellung hier in der Trinitatiskirche zu beteiligen. *  Ich hoffe auf viele Besucher, die sich hier auf vielfältige Weise informieren können, und sich Anregungen zum weiter denken und vielleicht auch weiter forschen holen können. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Statement der Fukushima- Zeitzeugin.  Shinobu Katsuragi, Dolmetscherin

Shinobu Katsuragi hat frei von ihren Erlebnissen in Japan während Erdbeben und Tsunami berichtet.  Viellecht erhalten wir hierzu noch einen Text.

Kurz vor der Veranstaltung ereichte uns ein Schreiben / Botschaft von Frau Ruiko Muto, (Sprecherin der Klägergruppe gegen TEPCO und Repräsentantin der Gruppe Frauen von Fukushim)  mit der Bitte um Veröffentlichung. Der Text wurde in die Ausstellung integriert:

Allen auf der Welt, die mit den Opfern der Atomkatastrophe von Fukushima fühlen und ihnen immer noch verbunden sind, meinen herzlichen Dank. Bald wird auch dieses Jahr wieder ein elfter März sein. Und wie an diesem Tag vor sechs Jahren fällt auch heute leichter Schnee. Das Erdbeben einer Stärke von knapp fünf im November letzten Jahres hat für viele einen Flashback auf den elften März 2011 mit sich gebracht und wieder ins Bewusstsein gerufen, wie tief die Verletzungen waren. Zur Zeit werden die Evakuierungsanordnungen nach und nach aufgehoben und Maßnahmen propagiert, um die Leute zur Rückkehr zu bewegen. Zur Rückkehr allerdings nicht, weil man sagen könnte: „Es ist wieder sicher, bitte kommen Sie zurück“. Rückkehr bedeutet vielmehr: „Nach der Dekontamination Ihrer Gemeinde gibt es zwar immer noch radioaktive Substanzen – aber leben Sie bitte dort und nehmen das halt  in Kauf“.  In den Gebieten, für die die Evakuierungsanordnung bald aufgehoben werden soll, türmt sich der Dekontaminationsmüll zu Bergen; es werden Verbrennungsanlagen gebaut, um die Menge zu verringern. Zum 1. April soll die Evakuierungsanordnung für Tomioka  aufgehoben werden, wo die durchschnittliche Ortsdosis bei 0,65 MikroSievert pro Stunde liegt. Die Hälfte der Einwohner will nicht dorthin zurückkehren. In die im letzten Jahr freigegebenen Orte Naraha, Minamisoma und Katsurao sind bisher nur knapp zehn Prozent der Einwohner zurückgekehrt. Im Rahmen der Rückkehrpolitik setzen die japanische Regierung und die Präfektur Fukushima verstärkt darauf, für die in anderen Regionen lebenden Evakuierten nicht länger die Wohnkosten zu übernehmen. Als ob ihr Leben durch den Atomunfall nicht schon genug beeinträchtigt worden wäre, verlieren die Strahlenflüchtlinge ihre Wohnung oder geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten, wenn diese Maßnahmen umgesetzt werden. Familien werden getrennt, aus der allmählich vertraut gewordenen Umgebung muss man wieder weg, muss  zurückkehren, wohin man nicht will, und hat jede Menge anderer Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite gibt es für die Aufhebung der Siedlungs-beschränkungen und die Ansiedlung neuer Unternehmen ein riesiges Wiederaufbaubudget. Die Präfektur Fukushima hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Zahl der Evakuierten auf Null zu senken, und plant daher die Dekontamination auch der höchstbelasteten Evakuierungsgebiete und die Einrichtung sogenannter Modell-Regionen. So wird 4 Kilometer entfernt von der Anlage Fukushima Dai’ichi ein Archivgebäude errichtet, das 5 Milliarden Yen – ungefähr 39 Millionen Euro – kosten soll. Wie es heißt, sollen dorthin Klassenfahrten von Oberschulen stattfinden, um den Atomunfall und seine Folgen zu vermitteln. Aber der Atomunfall ist auch heute noch nicht bewältigt. Immer noch steigt die Zahl der mit kontaminiertem Wasser gefüllten Tanks. Die Eiswand, die mit hohen Erwartungen verbunden war, ist anscheinend ein fast völliger Fehlschlag. An den Stahlstützen für die 120 Meter hohen Ablufttürme von Reaktor Eins und Zwei nehmen Löcher und Risse zu – wann werden sie wohl zusammenbrechen? Kürzlich wurden Fotos aus dem Inneren von Reaktor Zwei veröffentlicht und bekannt gegeben, dass die Strahlung dort 650 Sievert pro Stunde beträgt. Es gibt auf dem Kraftwerksgelände viele Stellen, denen sich auf Jahrzehnte kein Mensch nähern kann. Unter den Kindern der Präfektur Fukushima gibt es jetzt 184 mit Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, davon sind 145 tatsächlich als Krebs bestätigt. Nach Angaben der Stiftung für schilddrüsenkrebskranke Kinder sind auch außerhalb der Präfektur in Gebieten, wo die Radio-Jod-Wolke durchzog, Schilddrüsenkrebse im fortgeschrittenen Stadium gefunden worden. Jeder macht sich Sorgen um die Gesundheitsschäden durch die Verstrahlung. In den Behelfsunterkünften und an den Fluchtorten erkranken immer mehr Menschen an Depressionen. Seit 2014 steigt die Selbstmordrate plötzlich steil an. Weiträumig und mit enormer Energie werden Kampagnen zu Radioaktivität und Sicherheit durchgeführt, die sich an junge Leute und Kinder richten. Im Sommer letzten Jahres wurde eine sehr zweifelhafte Bildungseinrichtung zum Thema Radioaktivität eröffnet, die schon 30.000 Menschen besucht haben. Im November 2016 haben Oberschüler die Aufräumarbeiten im Kraftwerk Fukushima Dai’ichi besichtigt –also an einem Ort, an dem unter Achtzehnjährige aus Strahlenschutzgründen nicht arbeiten dürfen.  Wenn ein Atomkraftwerk einmal eine Katastrophe verursacht, sind Erde, Meer, Berge und Wälder für mehrere hundert Jahre verstrahlt, und die Menschen werden ihrer Rechte als Menschen beraubt. Man wird gezwungen, die Gefahren hinzunehmen und zu resignieren, das Leben wird auseinandergerissen und das Recht der Selbstbestimmung wird verletzt. Kein Atomkraftwerk auf dieser Erde darf weiter in Betrieb sein! Atomkraftwerke und das Leben in all seinen Formen schließen einander aus!   Sorgen wir dafür, dass der tragische Unfall von Fukushima der letzte gewesen ist! Für dieses Ziel schließen wir Geschädigte uns zusammen, wir stehen auf und werden laut. In diesem Jahr wird es bei zahlreichen Zivilprozessen zu letzten Verhandlungen kommen.  Auch einige Strafprozesse werden beginnen, in denen die Verantwortung für den Unfall geklärt werden soll. Ganz gleich, wie schwach sie leuchtet, lasst uns die Glut in unseren Herzen weitertragen! Wir Frauen von Fukushima arbeiten zusammen mit allen auf der Welt, die das auch wollen, für eine Zukunft, in der wir anders leben können. Aus dem Japanischen von Annette Hack und Yu Kajikawa (Sayonara Nukes Berlin)

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Grußworte

Rechts: Dieter Schultz-Seitz, Propst (Propstei Wolfenbüttel)

Links: Jörg Röhmann, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Schirmherr der Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima/ 2017 in der Region Braunschweig.

Grußwort von Herrn Staatssekretär Jörg Röhmann anlässlich der Veranstaltung „Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima in der Region Braunschweig“ am 10.03.2017

 (Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede,
noch sehr genau erinnere ich mich an die Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nunmehr 30 Jahren. Erst nach und nach wurde das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung bekannt. Mit zunehmender Sorge fürchtete ich, wie viele andere Eltern auch, um die Gesundheit meiner Kinder. Auf einmal war nichts mehr wie zuvor.   Nur langsam erfuhr die Öffentlichkeit, dass sich die freigesetzten nuklearen Stoffe zu Wolken zusammengeballt hatten und mit dem Wind vor allem nach Norden und Westen transportiert worden waren. Die Wolken mit dem radioaktiven Fallout hatten sich zunächst über weite Teile Europas und schließlich über die gesamte nördliche Halbkugel verteilt .Aus der regionalen Katastrophe, dem Super-GaU von Tschernobyl, war ein globales Problem geworden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Radioaktivität sieht man nicht. Man riecht sie nicht. Man schmeckt sie nicht und doch ist sie in den von ihr betroffenen Regionen allgegenwärtig. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war ein bewusstseinsveränderndes Ereignis mit nachhaltiger Wirkung. Die Wissenschafts- und Technikgläubigkeit unserer Gesellschaft wurde heftig erschüttert. Der 26. April 1986 steht für das Versagen der so genannten zivilen Nutzung der Atomenergie.

Damals schlugen die Wogen der politischen Diskussionen hoch und erfassten natürlich auch die niedersächsische Landespolitik. Die Gründung des Niedersächsischen Umweltministeriums im Juli 1986 war eine direkte Reaktion auf die Atomkatastrophe in Tschernobyl. In der Ukraine, der Republik Belarus und angrenzenden Gebieten Russlands wurden 150.000 km² radioaktiv verseucht. Rund fünf Millionen Menschen lebten damals in diesem Gebiet. Mehr als 330.000 Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Reaktors lebten, mussten evakuiert werden. Nur dem großartigen und selbstlosen Einsatz vieler junger Menschen unmittelbar nach der Katastrophe haben wir zu verdanken, dass wir im Westen nicht noch mehr von den nuklearen Niederschlägen des zerstörten Reaktors belastet wurden. Ein Einsatz, den Tausende von ihnen unter dem Verlust ihrer eigenen Gesundheit, vielfach auch dem eigenen Leben, geleistet haben.

Diese jungen Menschen wurden „Liquidatoren“ genannt, weil sie die radioaktive Strahlung „liquidieren“ sollten. Sie arbeiteten teilweise monatelang in und um das explodierte Kernkraftwerk und viele hatten keine ausreichende Schutzkleidung. Die Zeitzeugen Klaudzija und Adam Varanets sind vom 24. bis 30 April im Rahmen weiterer Veranstaltungen in der Region Braunschweig unterwegs, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. An dieser Stelle möchte ich ihnen, den Rettern Europas, von ganzem Herzen für ihren Einsatz danken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, nach meiner festen Überzeugung muss von Katastrophen betroffenen Menschen auch über Landesgrenzen hinweg tatkräftig geholfen werden. Dies wurde von Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags ebenso gesehen, als im Oktober 1992 auf ihre Initiative hin die Stiftung „Kinder von Tschernobyl“, Stiftung des Landes Niedersachsen, gegründet wurde. Zweck dieser Stiftung ist es, strahlengeschädigten Kindern aus den Staaten Belarus, der Ukraine sowie den angrenzenden Gebieten Russlands mit medizinischen Hilfeleistungen zu unterstützen. Seit ihrer Gründung vor nunmehr fast 25 Jahren hat die Landesstiftung 67 Reisen in die in die betroffenen Regionen durchgeführt. Das bedeutet 2- bis 3-mal im Jahr sind Ärztinnen und Ärzte bereit, in ihrer Freizeit unentgeltlich in medizinischen Ärztefortbildungen belarussische und ukrainische Kolleginnen und Kollegen zu unterrichten. Zeitgleich besucht die Stiftung schlecht ausgestattete Kinderkrankenhäuser. Dabei entscheidet sie nicht nur über die Unterstützungsleistung der Krankenhäuser, sie kontrollieren auch zwei Jahre später den zweckentsprechenden Einsatz der überlassenen medizinischen Geräte.

Die bis heute bekannten Zahlen und Daten über Tote, Verletzte und Geschädigte sind erschreckend, das wirkliche Leid kann keine Statistik hinreichend zum Ausdruck bringen und auch durch die Wissenschaft allein nicht erfasst werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Super-GaU von Tschernobyl hat sich wiederholt. Am 11. März 2011 um 14:47 Uhr Ortszeit löste ein Erbeben eine Kernschmelze in Block 1, 2 und 3 des japanischen Kernkraftwerks in Fukushima aus. Große Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in der land- und meerseitigen Umgebung. Ungefähr 170.000 Einwohner wurden aus den betroffenen Gebieten evakuiert. Die Zahl der Toten durch die Evakuierung, bzw. ihre Folgen, sowie im Kraftwerk selbst wird auf ca. 610 geschätzt. Schätzungen zur langfristigen Zahl der Todesopfer durch Krebserkrankungen liegen im Bereich von mehreren Hundert. Nur durch einen Zufall wurde ein Brand von Brennstäben in einem trockengefallenen Abklingbecken verhindert. Ein solches Ereignis hätte ein Mehrfaches der Strahlenbelastung von Tschernobyl bewirken und eine Umsiedlung von bis zu vier Millionen Menschen nötig machen können. Nach dieser Katastrophe erreichte die Skepsis gegenüber der zivilen Nutzung der Kernenergie ihren bisherigen Höhepunkt. Mehrere Länder gaben ihre Kernenergieprogramme auf. Deutschland hat den vollständigen Atomausstieg bis zum Jahr 2022 beschlossen. Die japanische Regierung selbst beschloss Mitte September 2012 den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis spätestens 2040, schränkte diesen aber nach Protesten seitens der Wirtschaft wieder ein.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, menschliches Versagen in Tschernobyl – in Fukushima in Kombination mit Naturgewalten – haben zu unendlichem Leid tausender Menschen geführt.  Die Kontamination der Böden bedeutet für sie vermutlich den dauerhaften Verlust der Heimat. Die ionisierende Strahlung atomarer Teilchen den Verlust der Gesundheit und häufig einen frühen Tod. Tschernobyl und Fukushima dürfen nicht nur zur bloßen Erinnerung an Unglücke verkümmern. Diese Orte sind uns ständige Mahnung, das Leben über den technischen Fortschritt um jeden Preis zu stellen. Diese Veranstaltung trägt dazu bei, uns genau dafür zu sensibilisieren. Deshalb habe ich gern die Schirmherrschaft übernommen und möchte an dieser Stelle ganz besonders der Trägerkreis der Region Braunschweig sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern für ihr großes Engagement danken. Machen Sie weiter so.

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Statement zum  Thema „Kreuz“. Rolf Adler, Pastor, Umweltbeauftragter der Ev.-luth Landeskirche Braunschweig und Han nover.

Eigentlich ist eine Ausstellung von Kreuzen nicht möglich. Wir können Kreuze nicht ausstellen, wir können sie nur darstellen. So wie man das Leid, das an ihnen klebt,
nicht ausstellen kann, sondern nur versuchen, es mitfühlend darzustellen.  Wir befinden uns hier also in einer Darstellung von Kreuzen, in einer Darstellung von Leiden und
in einer Darstellung des Lebens in unvollendeter Weise. Wir können das Kreuz nicht einfach ansehen. Die Kreuze sehen uns an. Wer etwas ansieht, bringt sich selbst in Ansehung, durch seine Interpretation, seine Klugheit, seine Verwegenheit, was auch immer! Der Selbstbezug der Ansehung ist unhintergehbar. Wann der Selbstbezug zum Selbstbetrug wird, ist offen. Kreuze lassen sich nicht vereinnahmen. Weder programmatisch, noch traditionell. Jede Hoffnung und jedes Programm im Namen des Kreuzes entfremden das Kreuz von sich selbst. Jeder Kreuzzug richtet sich gegen das Kreuz. Jeder kulturelle Rahmen verhüllt es. Die Kirchen sind da nicht auszunehmen;
auch nicht der Widerstand gegen Atomanlagen und Atomprogramme. Das Kreuz ist ein Todesort, kein Ort der Proklamationen. Auch eine Bibel sagt nichts anderes. Der Aufstand Gottes gegen den menschgemachten Tod vollendet sich nicht am Kreuz.
Hier ist von weinenden und leidenden Menschen zu erzählen. Auch von den Ignoranten,
die im Schatten des Kreuzes ihre Würfel spielen und einfach nur ihrem Job nachgehen,
den Schmerz der Trivialität preisgeben.  Dennoch eine Ausstellung von Kreuzen? Nein! Kreuze kann man nicht ausstellen.  Hier sehen wir mehr als eine triviale Schau kultischer Gerätschaften,  die im Gedenken an die Risiken und Gefahren der Atomkraft symbolisch eingesetzt werden.  Hier, wo die Kreuze uns anschauen beginnen wir die Anreise, drei Tagesreisen zurück, vom leeren Grab nach Golgatha. Hier deuten die Kreuze uns, den Menschen: Gnadenlos. Todverfallen. Abgekehrt von Gott und Schöpfung.
In sich gekehrt. Verkrümmt in die Sünde als Gegenlogos, Gegenwort, Gegenentwurf zum Leben. Wegwurf des Lebens. Nicht noch eine Deutung ist hier angesagt an den Kreuzsymbolen, die wir mal eben so irgendwo hintragen und aufstellen.  Nicht eine Beweihräucherung des Atomwiderstandes und seiner Akteure ist unser Ziel. Wer es ernst meint, der lässt sich deuten, als Teil einer Geschichte, die niemals hätte stattfinden dürfen: Unfall, Strahlung, Müllberge, Furcht.  Wo das Leben weggeworfen wird, nistet sich das Elend ein.  Aber auch das sagt das Kreuz: Verfehlung an der Schöpfung ist reales Leben. Todesurteile gegenüber Mitwelt und Zukunft sind an der Tagesordnung. Der Gegenlogos ist zum geflügelten Wort geworden: in Wirtschaft, Politik und Mainstream.
Asse, Konrad, Gorleben, Morsleben – alles Gruben, in die der Gegenspieler vergraben will, was er nicht mehr gebrauchen kann. Es gilt, Verfehlungen einzuhüten. Versagen einzuhegen. Schuld zu managen. Diese Bauwerke brauchen eigentlich keine Kreuze.
Sie sind selbst Symbole geworden. Sie deuten den Menschen, der geneigt ist, das Leben wegzuwerfen. Eine Darstellung von Kreuzen? Ja, als Griff nach Gottes Möglichkeiten am Ort der Tödlichkeit. Er, Schöpfer, Lebenswort, Heilsmacht – hat sich dem Kreuz ausgeliefert und blieb darin bei sich selbst.  Das Kreuz deutet Gott nicht, sondern Gott deutet das Kreuz. Darin liegt unsere Hoffnung. Dass Gott sich nicht zu Tode deuten lässt,
durch die menschgemachten Tode. Sondern lebendig bleibt und lebendig macht  gegen das, was der Mensch tut. Wir müssen Schritte tun. Weg vom Kreuz. Drei Tagesreisen weit. Da reden wir von Auferstehung, von Aufstand gegen den menschgemachten Tod
und das weggeworfene Leben. Vom Aufstand gegen das Gegenwort. Da hat jemand zugegriffen und eingegriffen in das Geschäft der Henker und Ignoranten. Und seitdem fragen die Menschen nicht mehr nur: Wie macht man tot? Sie fragen auch: Wie macht man lebendig? Hoffnung als lebendige Frage, und Beharrlichkeit für das Leben. Nur Kreuze ausstellen und sie ansehen?  Nein – besser Fragen stellen. Fragen nach den Zugriffen, die zum Leben führen.

 

2016-03-14 15.37.07

Vorstellung (Kunst-) Ausstellung 1: „Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima“. Biologie- und Chemielehrer i.R.  Dr. Benno Dalhoff, BUND; Soest / NRW 

Aus dem Faltblatt zur Ausstellung: „Meine Ausstellung will darauf hinweisen, dass wir niemals eine Technik verwenden dürfen, die wir nicht beherrschen. Schaut man sich die Bilder mit den menschlichen Tragödien aus Tschernobyl und Fukushima an, so wird mehr als deutlich, dass wir nur Technik nach menschlichem Maß verwenden dürfen. Tun wir das nicht, dann hat der Patient Erde nicht nur Fieber, sondern unser Blauer Planet wird langfristig zu einem grauen und menschenleeren Planeten.“

 

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Vorstellung Ausstellung 2: „Das Kreuz von Asse und Konrad“.  Sozialdiakon i.R., Paul Koch,  Organisator der Ausstellung / Euriopäische Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima.

Asse-Kreuz. Mit dem Kreuzweg der Schöpfung macht das Bistum Hildesheim jedes Jahr in der Fastenzeit auf Orte aufmerksam, an denen Gottes Schöpfungswerk durch uns Menschen zerstört wird. Gorleben, die Asse, die Hähnchenschlachtfabrik in Wietze, aber auch Industriestandorte wie Wolfsburg geben dabei Anlass, über unseren eigenen Lebensstil und seine Auswirkungen auf unsere Umwelt, den Planeten und die künftigen Generationen von Menschen nachzudenken und unsere Schuld vor Gott zu tragen. Der erste Kreuzweg führte 2010 von der Asse zum Schacht Konrad. In den Jahren 2011 und 2012 wurde das Asse-Kreuz im Rahmen des „Kreuzweges der Schöpfung“ an fünf Fastensonntagen quer durch Norddeutschland „getragen“. Tontafeln kennzeichnen die jeweiligen Stationen. Das erste Asse-Kreuz steht nun vor dem Asse-Schacht in Remlingen. Das zweite Asse-Kreuz steht seit 2012 in Gorleben. Beide Asse-Kreuze wurden wie später das Bolivianische Schöpfungskreuz entweder von der Kirche in Wittmar aus quer über die Asse oder von der Kirche in Remlingen hoch zur Asse getragen. Leider gab es technische Probleme, so dass das Asse-Kreuzleider nicht den Weg hierher gefunden hat. Ein kleiner Ersatz ist das Bolivianische Schöpfungskreuz, mit dem ebenfalls das Bistum Hildesheim jedes Jahr auf Orte aufmerksam macht, an denen Gottes Schöpfungswerk durch uns Menschen zerstört wird.

Konradkreuz. Das Konradkreuz war von Anfang an als großes „Vortrage-Kreuz“ ein wichtiger Wegbegleiter der Schacht-Konrad-Gottesdienste in Salzgitter Bleckenstedt, also seit nunmehr rund 30 Jahren. Es besteht aus zwei halbrunden Hölzern, die sich in einfacher Form als waagerechte und senkrechte Linien kreuzen. Die waagerechte Menschenlinie wird von der senkrechten Gotteslinie getroffen und „gebrochen“! Wie schmerzhaft das durchaus für beide Seiten sein kann, zeigt der Stacheldrahtkranz, der sich um den Kreuzigungspunkt herumwindet und natürlich auch die Anspielung auf Jesu Dornenkrone enthält. Denn mindestens ein Konrad-Gottesdienst liegt immer auf dem Sonntag Palmarum, also zu Beginn der Karwoche, am Höhepunkt der Passionszeit. Wenn das Kreuz, als Wegbegleiter dem Prozessionsgottesdienste vorangeht oder vorn ansteht, dann wird jeweils dieser Dornenkranz mit frischem Grün der Natur geschmückt – zum Anzeichen dafür, dass es nicht bei Leid und Schmerz, bei Not und Trauer bleiben soll, sondern, dass das Leben immer wieder die Oberhoheit gewinnt.   *   Vor kurzem kam zu diesem Prozessionskreuz, noch ein feststehendes Kreuz für die Kirchengemeinde Bleckenstedt, gestiftet von Barbara Traube, hinzu. Das Kreuz Jesu Christi kann viele Formen annehmen und lädt immer wieder dazu ein, sich dazu zu verhalten und sich so seine Gedanken zu machen. Bei dem Kreuz, das von Barbara Traube in Zusammenarbeit mit einem Künstlerfreund entstanden ist, gilt dies besonders, denn es entfaltet geradezu eine Kreuzeslandschaft, die einen sehr belebten Eindruck macht. Das Besondere daran sind die figürlichen Elemente, die aus jahrhundertealten handgeschmiedeten Nägeln geschaffen wurden und Menschen in ganz verschiedenen Positionen und Haltungen (Zu- und Abwendungen) darstellen. (Weitere Informationen zu den Kreuzen sind an den Kreuzen in der Ausstellung angebracht)

 

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Vorstellung Ausstellung 3: „Entdeckung der Radioaktivität“. Physiklehrer i.R.,   Rudolf Fricke, Historiker

… Dieser Ausstellungsteil setzt sich deutlich von den anderen ab. Er führt nämlich in die Anfänge der Radioaktivitätsforschung, in der die Wolfenbütteler Physiklehrer Julius Elster und Hans Geitel sowie der Braunschweiger Chemiker Friedrich Giesel eine ziemlich bedeutende Rolle einnahmen. Mit dem hier präsentierten Ausstellungsteil sollen das Geschehen und die Protagonisten transparenter werden. Zum einen haben wir drei Poster, die normalerweise im Elster&Geitel-Bau der PTB in Braunschweig ausgehängt sind und die wir von dort als Leihgabe erhalten haben.

Kurz zum Inhalt der Poster:

  1. Ein Poster thematisiert Elster/Geitels fundamentalen Nachweis des allgegenwärtigen radioaktiven Gases Radon. Dies spielte eine bedeutende Rolle bei der Erklärung des elektrischen Zustandes der Atmosphäre. Heute steht es im Fokus bei Betrachtungen zur natürlichen Strahlenbelastung. Exemplarisch an dem Radonnachweis ist dem Poster zu entnehmen, wie Elster & Geitel die Entdeckungsgeschichte, das Forschungsgeschehen zur Radioaktivität mitgestalteten und wie sie ideenreich halfen, das Messwesen zu entwickeln.
  2. Ein anderes Poster zeigt auf, wie Elster & Geitel einen erlesenen Kreis an Physikern, Chemikern, Ärzten und Instrumentenbauern um sich scharten und so Wolfenbüttel/Braunschweig zu einer international beachteten, international geachteten Hochburg der frühen Radioaktivitätsforschung machten.
  3. Ein drittes Poster widmet sich direkt dem als einmalig in der Geschichtsschreibung dastehenden Forscherduo. Julius Elster und Hans Geitel hatten sich im Alter von 6 Jahren in der Harzstadt Blankenburg kennengelernt. Sie waren hier zufällig zu Wohnnachbarn geworden. Sie entdeckten gemeinsame Interessen an der Physik und blieben zeitlebens einander freund-schaftlich verbunden. Ihr stets gemeinsames Auftreten gilt in der Physikwelt als einzigartig. Nur am Rande bemerken möchte ich noch, dass sie 7 Mal für den Physiknobelpreis nominiert waren. Etwas traurig – wenn sie mir diese Einfügung gestatten wollen – schaue ich auf das kürzlich auf dem Schlossplatz aufgestellte Wilhelm-Busch Denkmal und auf das kurz vor der Eröffnung stehende Bürgermuseum: Es zeigt, die Erinnerung an die beiden Ausnahmewissenschaftler Elster & Geitel ist in der Stadt nicht nachhaltig verankert.

Aber zurück zur Ausstellung hier.

Auf einer vierten Präsentationsfläche sind noch in einer Zeitleiste Daten aus der frühen Entdeckungsgeschichte zur Radioaktivität dargestellt. Daraus kann man noch einmal die Gesamtbedeutung der Wolfenbüttel/Braunschweiger Gruppe in dem Forschungsgeschehen herauslesen. In kleinen Sprechblasen sind auch noch ausgewählte Zitate aus dem Kreis der Protagonisten nachzulesen. Hierin ist, wer sich darauf einlassen will, ein Anstoß zur Nachdenklichkeit gegeben. Es wird vielleicht auffallen, dass einige Zitate eine große Begeisterung für das Phänomen der Radioaktivität und jede dazu gemachte neue Beobachtung ausstrahlen. Diese noch bis in die 1960er-Jahre vorherrschende Stimmung zum Phänomen der Radioaktivität ist in eine regelrechte Phobie umgeschlagen. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass an Schulen kaum noch Anschauungsexperimente zur Radioaktivität gemacht werden. Leute reagieren fast panisch, wenn man ihnen in einem Raum vorführt, dass er von dem ganz natürlich vorkommenden, allgegenwärtigen radioaktiven Radon erfüllt sind. Oder selbst habe ich erlebt, dass Kindern von ihren Eltern eine Schulwanderung in die Asse untersagt wurde. Nach meiner Überzeugung sind es Angstreaktionen, die aus ideologisch geprägten Diskussionen über Radioaktivität resultieren, in denen Trennschärfen (bewusst?) ausgelassen werden. Beispiel: Gesagt wird GEGEN ATOMENERGIE. Das geht nicht, denn sie ist in der Natur allgegenwärtig. Man kann sich also nur gegen Formen der Nutzung von Atomenergie aussprechen. In der Wortkonsequenz GEGEN ATOMENERGIE schließt dies beispielsweise auch die Nuklearmedizin ein. Ist das wirklich gemeint, ist das wirklich gewollt?

Ala, Gennadiy  Musikalische Umrahmung

 Genadij und Ala Vinogradskij; (Akkordeon und Domra – Domra: historisches, weißrussisches Instrument)

Kreuz von Tschernobyl + Fukushima

Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl und dem 5. Jahrestag von Fukushima entstand die Ausstellung „Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima“. Die Ausstellung hat Dr. Benno Dalhoff / Soest hergestellt und von 25.4. bis  30.4.2016 im „Schiefer Turm“ (Alt St. Thomä) in Soest im Rahmen der vom IBB initiierten  „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ ausgestellt. Aus dieser Aktion stammt das Titelbild (Couver der Info-CD zur Ausstellung)

Vom 10.3. bis 28.4.2017 ist diese Ausstellung in der St. Trinitatiskirche in Wolfenbüttel – ebenfalls im Rahmen der „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ (Ökumenischer Trägerkreis für die Region Braunschweig) zu sehen. Den nuklearen Problemen im „Weltatomerbe Braunschweiger Land“ ist es geschuldet, dass hier auch ein Ausstellungsteil „Das Kreuz von Asse und Konrad“ hinzu gekommen ist.  Eine weitere regionale Besonderheit fließt mit einem 3. Teil in die Ausstellung ein: Die „Entdeckung der Radioaktivität“ durch die Wolfenbütteler Wissenschaftler Julius Elster (1854-1920) und Hans Geitel (1855-1923).

Durch diese dreiteilge Ausstellung, ergänzt mit Grafiken über den Wolkenverlauf bei Tschernobyl und Fukushima, sowie Fotos von mehreren Reisen 1992-1998 in die Ukraine und Belarus und Informationsmaterial von Bürgerinitiativen und dem Bundesamt für Strahlenschutz, ist diese Ausstellung thematisch sehr weit gefächert und ausgewogen. Ein entsprechendes Rahmenprogramm soll zum einen auch abendliche Besucher den Weg in Ausstellung möglich machen, aber auch die angesprochenen Themen auf unterschiedliche Weise vertiefen. Für Gestaltung und Inhalt dieser Seite zeichnet Paul Koch (paul.koch47@gmx.de) verantwortlich. Fotos von Paul Koch und Thomas Zierdt.

Zunächst Impression der Trinitatiskirche in Wolfenbüttel im Zusammenhang mit der Ausstellung, eine Art Rundgang durch die Kirche mit Ausstellung:

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Im Folgenden sollen die Ausstellungen im Detail vorgestellt werden.    (Im Aufbau!)

Das Kreuz von Tschernobyl und Fukushima

Kunstwerke von Dr. Benno Dalhoff;  Soest / NRW

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Von Links:

1) Das Kreuz von Tschernobyl oder   Der Vorhof zur Hölle; Assemblage, Wachs, Asche, Holzkohle, Schellack, Acryl auf Fotografien auf Holz, 2015-2016.    

2) Das Kreuz von …? Lack auf Holz, 201-2016.   

3) Das Kreuz von Fukushima oder   Nippon, das Land der aufgehenden Sonne. Assemblage, Wachs, Asche, Holzkohle, Schellack, Acryl auf Fotografien auf Holz, 2015-2016.

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Der Strich der Natur ist zerbrochen; Relief, Acryl auf Holz, 2015.

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azzurro fatale (verhängnisvolles Blau) .   Acryl, Bleistift auf Leinwand, 2017 

Angeregt durch die Fotografie ‘Hanford Site‘ der US-amerikanische Künstlerin Taryn Simon ist das Bild ‘azzurro fatale‘entstanden. Die abstrakt wirkende Fotografie von Taryn Simon zeigt schwarze Kreise in einer blau illuminierten Umgebung.  Das Gemälde ‘azzurro fatale‘ zeigt Atommüllbehälter aus rostfreiem Stahl, die in einem staatlichen Nuklearkomplex im Bundesstaat Washington gelagert werden. Das Blau im Wasser zeigt die strahlende Energie der schwarzen Kreise.

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Von links: 

1) Der Schornstein muss rauchen! Collage, Fotos, Oelpastellkreide, 2016/2017          

2) AOKO I.  Collage, Foto,  Raster-Druck, Zeichenstift auf Papier, 2016   

3) AOKO II.  Collage, Bleistift, Oelpastellkreide, Radiergummi- Abrieb auf Papier, 2016/2017

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Spaltung. Skulptur, Holz, 1986     Spaltung II. Skulptur, Holz, 2011

IMG_2111Zizeeria maha nach dem GA.  Quadrichon, Acryl auf Leinwand, 2015

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Von links:

1)  T 12 – 5: An die Hölle verraten.  

2)  F 12 – 122: Fukushima weint.   Beide:  Assemblage, Holzkohle, Sand, Spachtelmasse, Acryl auf Leinwand, 2015

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Les fruits du mal (Die Früchte des Bösen). Installation, Fotografie, schwarze Säcke, 2016

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EK – KE – Energie-Konsum – Konsum-Energie

Quadrichon, Assemblage, Kaffee-Kapseln, Acryl und Lackfarbe auf Holz, 2016

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Links: La terre du mal (Die Erde des Bösen); Assemblage, schwach radioaktiv belastete Schwarzerde (aus dem Belgoroder Gebiet, 400 km Entfernung süd-östlich von Tschernobyl) auf Leinwand, 1996

Rechts: Schnee in Minsk; Schnee-Spuren auf Leinwand, 2005

Das Kreuz von Asse und Konrad

Zusammengestellt von Sozialdiakon i.R. Paul Koch

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Das Assekreuz im Gottesienst in der Kirche Wittmar im Rahmen des ökumenischen Kreuzweg der Schöpfung auf dem Weg zum Asseschacht.

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Am Asseschacht angekommen, wo viermal jährlich Asse-Andachten stattfinden. Das Kreuz hat aus technischen Gründen nicht den Weg in die Ausstellung gefunden. Dafür war das Bolivianische Schöpfungskreuz in der Ausstellung .

 Bolivianisches Schöpfungskreuz

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Seit 2014 erinnert ein besonderes Kreuz aus Bolivien an die Allianz für die Schöpfung, deren Gründung Bischof Norbert in seinem Fastenhirtenbrief angeregt hat. In Erinnerung an den Bund, den Gott nach der Sintflut mit Noah, dessen Nachkommen, allen Lebewesen und der ganzen Erde geschlossen hat, möge ein Bogen über den Ozean hinweg zueinander gespannt werden: „Wir verbinden uns mit unseren Schwestern und Brüdern in Bolivien und verpflichten uns als Kirche von Hildesheim, konsequent einen Weg der Schöpfungsbewahrung zu gehen und uns auch gesellschaftlich dafür stark zu machen“. Das Schöpfungskreuz symbolisiert diesen Bund. Sein Längsbalken stammt aus dem tropischen Tiefland Boliviens, wo immer mehr Regenwald abgeholzt wird, um in Monokulturen Zuckerrohr für Biosprit oder Soja für die Rindermast anzubauen. Der Querbalken stammt aus einer Mine im Silberberg von Potosí. Wie die Spanier im 17. und 18. Jahrhundert das Silber nach Europa verschifft haben, so gehen auch heute die Bodenschätze Boliviens unverarbeitet in den weltweiten Export. Für die Einwohner unseres Partnerlandes und vor allem die Bergarbeiter bleibt nur das Nötigste zum Überleben. In diesem Sinne symbolisiert das Schöpfungskreuz das Leiden der Menschen und der Schöpfung – in Bolivien und weltweit. Aus diesem Grund führen wir das bolivianische Kreuz beim Kreuzweg der Schöpfung mit, durch den das Bistum Hildesheim jedes Jahr auf Orte aufmerksam macht, an denen Gottes Schöpfungswerk durch uns Menschen zerstört wird. Gorleben, die Asse, Tiermastfabriken aber auch Industriestandorte wie Wolfsburg geben dabei Anlass, über unseren eigenen Lebensstil und seine Auswirkungen auf unsere Umwelt, den Planeten und die künftigen Generationen von Menschen nachzudenken und unsere Schuld vor Gott zu tragen.

Asse – Kreuz 

(Das Original-Kreuz konnte aus technischen Gründen nicht in die Ausstellung intergriert werden).

 Mit dem Kreuzweg der Schöpfung macht das Bistum Hildesheim jedes Jahr in der Fastenzeit auf Orte aufmerksam, an denen Gottes Schöpfungswerk durch uns Menschen zerstört wird. Gorleben, die Asse, die Hähnchenschlachtfabrik in Wietze, aber auch Indu-striestandorte wie Wolfsburg geben dabei Anlass, über unseren eigenen Lebensstil und seine Auswirkungen auf unsere Umwelt, den Planeten und die künftigen Generationen von Menschen nachzudenken und unsere Schuld vor Gott zu tragen. Der Kreuzweg der Schöpfung ist eine Initiative des Bistums Hildesheim in Kooperation mit katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden vor Ort. Ange-sichts fortschreitender Umweltzerstörung und sozialer Ungerechtigkeiten durch den globalen Klimawandel wollen wir als Christen das Kreuz der Verantwortung auf uns nehmen! Der erste Kreuzweg führte 2010 von der Asse zum Schacht Konrad. In den Jahren 2011 und 2012 wurde jeweils ein Kreuz aus einem Lärchenstamm vom Asse-Höhenzug von Tischlermeister Wolfgang Puder aus Wittmar zu einem Kreuz verarbeitet. Dieses Asse-Kreuz wurde im Rahmen des „Kreuzweges der Schöpfung“ an fünf Fastensonntagen quer durch Norddeutschland „getragen“. Tontafeln kennzeichnen die jeweiligen Stationen. Das erste Asse-Kreuz steht nun vor dem Asse-Schacht in Remlingen. Das zweite Asse-Kreuz steht seit 2012 in Gorleben. Beide Asse-Kreuze wurden wie später das Bolivianische Schöpfungskreuz entweder von der Kirche in Wittmar aus quer über die Asse oder von der Kirche in Remlingen hoch zur Asse getragen.

Konradkreuz

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Ziemlich von Anfang an war das große „Vortragekreuz“ ein wichtiger Wegbegleiter der Schacht-Kon-rad-Gottesdienste in Salzgitter Bleckenstedt, also (2017) seit nunmehr rund 30 Jahren. Es besteht aus zwei halbrunden Hölzern, die sich in einfacher Form als waagerechte und senkrechte Linien kreuzen. Die waagerechte Menschenlinie wird von der senkrechten Gotteslinie getroffen und „gebrochen“! Gott geht im gekreuzigten und auferstandenen Christus in unsere Weltgeschichte ein und wird zum entscheidenden Gottesfaktor in allen Lebensprozessen. Gott macht selbst „Geschichte“ und trifft auf unsere Lebensge-schichte(n). Wie schmerzhaft das durchaus für beide Seiten sein kann, zeigt der Stacheldrahtkranz, der sich um den Kreuzigungspunkt herumwindet und natürlich auch die Anspielung auf Jesu Dornenkrone enthält. Denn mindestens ein Konrad-Gottesdienst liegt immer auf dem Sonntag Palmarum, also zu Beginn der Karwoche, am Höhepunkt der Passionszeit. Wenn das Kreuz, das sonst seinen „Standort“ im Turm der Christuskirche zu Bleckenstedt hat, die Prozessionsgottesdienste mit ihren politischen Anliegen zur Ein-lagerung in Konrad als Wegbegleiter auszeichnet, dann wird jeweils dieser Dornenkranz mit frischem Grün der Natur geschmückt – zum Anzeichen dafür, dass es nicht bei Leid und Schmerz, bei Not und Trauer bleiben soll, sondern, dass das Leben immer wieder die Oberhoheit gewinnt. Das Kreuz geht also mit, weil wir daran glauben dürfen, dass der lebendige Gott mit uns geht und auch unsere Anliegen, das Leben zu schützen bei ihm in unserer Mitte am besten aufgehoben sind. So ist dieses Kreuz in all den Jahrzehnten längst nicht mehr nur ein Symbol des „Christlichen“, sondern ein wahrer Halte- und Ge-sichtspunkt für unsere Bittgottesdienste geworden: Gott leidet mit, wo immer sich das Leidwesen dieser Welt zeigt. Mitten unter uns wirkt wirklich der, dem Himmel und Erde zu Eigen und nichts egal ist. Bei Gott sind wir immer an der richtigen Adresse.

Kreuz von Barbara Traube für die Kirchengemeinde Salzgitter-Bleckenstedt

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Das Kreuz Jesu Christi kann viele Formen annehmen und lädt immer wieder dazu ein, sich dazu zu verhalten und sich so seine Gedanken zu machen. Bei dem Kreuz, das von Barbara Traube in Zusammen-arbeit mit einem Künstlerfreund entstanden ist, gilt dies besonders, denn es entfaltet geradezu eine Kreu-zeslandschaft, die einen sehr belebten Eindruck macht. Das Besondere daran sind die figürlichen Elemente, die aus jahrhundertealten handgeschmiedeten Nägeln geschaffen wurden und Menschen in ganz verschie-denen Positionen und Haltungen (Zu- und Abwend-ungen) darstellen. Die ganze Bandbreite wird hier gezeigt, wie es Menschen mit dem Kreuz, mit dem Gekreuzigten, also mit der zentralen Mitte unseres Glaubens halten. Der Betrachter wird damit herausgefordert, sich hier zu identifizieren oder sich da und dort auch zu distanzieren. Er wird überhaupt im Ganzen provoziert, sich mit seiner persönlichen Einstellung zur Mitte unseres christlichen Glaubens zu positionieren. Und in dieser Betrachtung wird man sehr lebendig in dieses Geschehen am und um das Kreuz hineinbewegt. Man interpretiert die dargestell-ten Figuren und gleicht dies mit dem eigenen inneren Für und Wider ab, wenn man sich denn überhaupt darauf einlassen kann. So ist dieses Kreuzesunikat eine bewegende Aussage und Anfrage an alle, die sich ihm stellen und nicht nur eine der sattsam bekannten Abbildungen. Auch der rostig-antike Materialzustand trägt dazu bei, dieses Panoptikum vom Kreuz Jesu für nicht fix oder fertig zu erachten, sondern gewisser-maßen in einer Entwicklung wahrzunehmen, so wie diese Oxidation sich ja auch weiter fortsetzen wird. Die Kirchengemeinde der Christuskirche in Bleckenstedt ist Familie Traube sehr dankbar für diese Zuwen-dung des Zeichens, an dem sich von jeher bis heute die Geister scheiden. Möge es auf jede Weise alle Betrachtenden zur großen Selbstreflektion des eigenen (Un-)Glaubens und seiner offenen und nie abge-schlossenen Entwicklungsmöglichkeiten einbeziehen.

In der Ausstellung wurde die kirchliche Arbeit dokumentiert:

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Kirche mitten drin…  Asse-Andachten, Konrad-Gottesdienste und Andacht am Lutherbaum.

Für zusätzliche Informationen zu Asse und Konrad standen Ausstellungen und Informationsmaterial der Bürgerinitiatibe „aufpASSAEn e.V.“  (http://aufpassen.org) ,  „AG- Schacht Konrad e.V.“ (http://ag-schacht-konrad.de) und vom Bundesamt für Strahlenschutz  (http://www.bfs.de/DE/home/home_node.html) zur Verfügung:

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Entdeckung der Radioaktivität

„… so wird man aus dem Atome selbst die Energiequelle ableiten müssen …“

Zum Ende des 19. Jahrhunderts glaubten Physiker kurz vor der Vollendung eines in sich geschlossenen Weltbildes zu stehen – für fachwissenschaftlich Ambitionierte lohne sich ein Studium der Physik eigentlich nicht mehr. Da brachten die 1895/1896 kurz hintereinander erfolgenden Entdeckungen der Röntgenstrahlen und der Radioaktivität dieses klassische Weltbild zum Einsturz. Undurchsichtiges wurde sichtbar, Unteilbares wurde teilbar. Was schon zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer weiter in Vergessenheit geriet, rückt heute zunehmend wieder in den Blick von Historikern: Es waren Physiker, Chemiker, Mediziner und Instrumentenbauer aus Braunschweig/Wolfenbüttel, die die Frühphase der Strahlungsforschung mitgestalteten, die halfen, das Weltbild der Naturwissenschaftler neu zu definieren. Der berühmte Pierre Curie äußerte seinerzeit sogar die Befürchtung, dass seine und seiner Ehefrau Marie Forschungsergebnisse „in den Fluten“ der aus dem Braunschweigischen kommenden Beiträge „ertrinken“ könnten. Otto Hahn, Lise Meitner, Frederic Soddy, Ernest Rutherford, Stefan Meyer, und so weiter, sie alle waren hier in Wolfenbüttel/Braunschweig, um sich persönlich mit den Protagonisten Elster, Geitel und Giesel über Forschungsprojekte zu besprechen. Die Lehrer Julius Elster (1854-1920) und Hans Geitel (1855-1923) aus Wolfenbüttel gehörten zu den ersten Forschern überhaupt, die sich intensiv mit dem Phänomen der Radioaktivität befassten. Als erste deuteten sie das Strahlungsphänomen als Ergebnis eines Atomzerfallsprozesses. Sie entwickelten Instrumentarien und Verfahren zum Nachweis radioaktiver Nuklide in Luft- Wasser- und Bodenproben. Mit innovativen Fragestellungen förderten sie das internationale Forschungsgeschehen. Der Chemiker Friedrich Giesel (1852-1927) stellte der Wissenschaftswelt großzügig von ihm hergestellte radioaktive Präparate für die Forschung zur Verfügung. Selbst trug er mit der Entdeckung radioaktiver Elemente und der Erforschung von Strahlungseigenschaften zur Erkenntnisgewinnung bei.

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